Die Gleichschaltung in den Köpfen

Bei den Redakteuren der „Welt“ ist die Renazifizierung schon weit genug fortgeschritten, sodass sie Führerprinzip, offene Missachtung von Menschenrechten und dreiste Lügen für normal und richtig halten. In seinem geistig Erbrochenen schürt der Autor Terrorangst, baut sich mehrmals einen argumentativen Strohmann auf, den er dann wieder demontiert, verharmlost das Ignorieren der Menschenrechte und heißt Jungs Ankündigung, in einem selbst erfundenen Fall des „übergesetzlichen Notstandes“ den Befehl zum kaltblütigen Mord zu geben, gut.

Zwei Textstellen fallen besonders auf:

Denn im Unterschied zu anderen Sicherheitsrisiken wie der Alltagskriminalität, die meist als übertrieben bedrohlich wahrgenommen werden, gibt es beim Terrorproblem in der deutschen Öffentlichkeit noch immer kein der Bedrohung angemessenes Gefahrenbewusstsein. Laut einer jüngst veröffentlichten Studie von Forsa – die allerdings noch vor der Aufdeckung der geplanten Terroranschläge vor zwei Wochen abgeschlossen wurde – fürchten sich die Deutschen sogar mehr vor einem Handtaschen- oder Brieftaschenraub als davor, Opfer einer Terrorattacke zu werden.

Na, so etwas! Könnte das vielleicht daran liegen, dass es in Deutschland seit dem Ende der RAF keinen einzigen Terroranschlag mehr, wohl aber Raubüberfälle gab und es somit unendlich wahrscheinlicher war, Opfer eines Raubes zu werden, als Opfer eines Terroranschlags? Im Gegensatz zu Anschlägen gibt es Raub in Deutschland tatsächlich. Das unterscheidet eine rationale Angst vor einer existierenden Bedrohung von einer irrationalen Paranoia, die auf ein Hirngespinst abzielt.

Natürlich wird auch das Vorgehen Jungs verteidigt, die Demokratie wurde dabei vergessen:

Man kann dem Verteidigungsminister ja die nassforsche Art vorhalten, mit der er verkündet, er werde gegebenenfalls Passagierflugzeuge abschießen lassen und sich dabei auf einen übergesetzlichen Notstand berufen, so lange die Frage nicht verfassungsrechtlich geklärt ist. In der Sache aber kann er gar nicht anders, als ein solches mögliches Handeln rechtzeitig anzukündigen. Denn die Luftwaffen-Piloten, die einen derartig furchtbaren Befehl ausführen müssten, müssen vorher darüber informiert sein, dass er kommen könnte und der Verteidigungsminister dafür die volle Verantwortung treffen würde. Würden Piloten mit einem solchen Befehl ohne Vorbereitung konfrontiert werden, stürzten sie von einer Minute auf die andere in unzumutbare Loyalitäts- und Gewissenskonflikte.

Wie darf man das nun verstehen? Der einzige Kritikpunkt ist also die Offenheit Jungs? Das bedeutet dann augenscheinlich, dass Jungs Mordfantasien, seine offene Ankündigung gegen das Recht auf Leben und die Menschenwürde zu verstoßen, wann immer er es für richtig hält, für den Autoren völlig unbedenklich ist. Dass Jung sich selbst als eine Art Halbgott, ausgestattet mit absoluter Weisheit, sieht, der über Gesetz, Volkswille und Menschenrechten steht, findet der Kommentator nicht kritikwürdig, obwohl dies in einer Demokratie, ja sogar in einer institutionellen parlamentarischen Republik untragbar ist, scheint den Kommentator nicht zu beunruhigen. Warum sollte es auch? Er ist ebenfalls einer jener Menschen, die sich nach einem neuen Faschismus sehnen, zumindest hat er das Führerdenken bereits tief verinnerlicht. Darum wiederholt er auch die Lüge, dass der Abschuss entführter Flugzeuge nicht verfassungsrechtlich geklärt sei. Ob sich der Autor beidseitig hat lobotomieren lassen oder er dreistes Lügen für seine Sache für richtig hält (frei nach Göbbels: „Eine Lüge muss nur dreist genug sein, damit sie geglaubt wird.“), kann ich nun auch nicht feststellen, passen würde sowohl Hirnamputation als auch Göbbelsjüngerschaft. Solltet ihr aber jemandem begegnen, der tatsächlich der Meinung ist, dass es 2006 kein Urteil von Karlsruhe zu dieser Frage gegeben hat, dann haut ihm am besten das Urteil im Wortlaut um die Ohren (zitiert von Freace):

Ein Luftfahrzeug abzuschießen, das gegen das Leben von Menschen eingesetzt werden soll, ist mit dem Recht auf Leben nach Artikel 2, Absatz 2, Satz 1, Grundgesetz in Verbindung mit der Menschenwürdegarantie des Artikel 1, Absatz 1, Grundgesetz nicht vereinbar, soweit davon tatunbeteiligte Menschen an Bord des Luftfahrzeugs betroffen werden.

Damit jeder sehen kann, was die Demokraten und Anarchisten von den Faschisten unterscheidet: Fakten in der Argumentation.

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Eine Antwort to “Die Gleichschaltung in den Köpfen”

  1. Menschenrechte? Da stell dich drüber! « Kurokasai Says:

    […] wenn man das Urteil (das ich bereits zitierte) liest, kommt ein anderer Eindruck auf: Ein Luftfahrzeug abzuschießen, das gegen das Leben von […]

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