Die katholische Kirche zeigt mal wieder ihr wahres Gesicht

Unter der bröckeligen Fassade des Vatikanevals schaut ein weiteres Mal deren braune Farbe hervor. Die gleiche Institution, die im dritten Reich mit den Nazis kollaborierte, will nun im spanischen Bürgerkrieg getötete Priester seligsprechen.

Am Sonntag werden 498 spanische „Märtyrer des 20. Jahrhunderts“ bei einer Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom seliggesprochen. Sie alle sind Opfer „der größten Verfolgung von Gläubigen im vergangenen Jahrhundert“. Die Rede ist vom spanischen Bürgerkrieg. Doch die Seligsprechung, an der Papst Benedikt XVI und über 70 spanische Bischöfe teilnehmen werden, hat einen Schönheitsfehler: Alle Märtyrer unterstützten den Putschisten und späteren Diktator General Francisco Franco und wurden von linken Milizen umgebracht, die die verfassungsmäßige Ordnung der Zweiten Republik verteidigten. Priester, die den Faschisten zum Opfer fielen, stehen nicht auf der Liste der Seligen.

Den spanischen Bürgerkrieg, den letzten verzweifelten Versuch, die Einführung der Militärdiktatur in Spanien zu verhindern, als größte Verfolgung von Gläubigen zu bezeichnen, ist auch eine sehr deutliche Ansage, wessen Geistes Kind diese Pfaffen sind. Offenbar hat der katholische Klerus ein weiteres mal die erste Silbe von Heiligsprechung zu stark betont.

Da findet sich auch ein lesenwerter Artikel zu dem Thema.

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6 Antworten to “Die katholische Kirche zeigt mal wieder ihr wahres Gesicht”

  1. s.j.kroski Says:

    da gehört eine ausserordentliche portion anmassung dazu, zu sagen, alle märtyrer hätten den putschisten und späteren diktator franco unterstützt: wie wollen wir denn das überprüfen? und wenn es so wäre: was waren die motive, und war es eine lebenslange unterstützung? welche gewissensentscheidungen haben in welcher phase zu welchen entscheidungen und haltungen geführt? weder unser leben noch die geschichte sind schwarz-weiss, eine tiefergehende betrachtung lohnt sich immer.

    priester, die dem faschismus zum opfer fielen, stehen nicht auf der liste der seligen. gerade jetzt tut es gut, über die spanischen grenzen hinauszublicken: heute wurde franz jägerstätter seliggesprochen, der „märtyrer des gewissens“, hier erleben wir ein wertvolles signal des vatikans, ausgesprochen von einem deutschen papst.
    http://stefan888.wordpress.com/2007/10/26/wo-sind-die-jgersttters-von-heute/

    die bröcklige fassade des vatikans? so manche bausubstanz bröckelt mit der zeit, die botschaft jesu und der katholischen kirche dagegen lebt ewig.

  2. kurokasai Says:

    Meines Erachtens ist Franz Jägerstätter gar kein Priester gewesen und kam auch nicht aus Spanien, sondern aus Österreich. Der Artikel der taz liegt in diesem Punkt also nicht falsch. Dass insgesamt auch Gegner des Faschismus selig gesprochen wurden negiert der Artikel auch gar nicht. Nur ist in dieser Heiligsprechung kein Gegner Francos heiliggesprochen worden, sondern nur Unterstützer. Warum sie Unterstützer waren, ist nicht weiter wichtig, denn meiner Meinung nach gibt es immer eine sinnvollere Alternative zu Faschismus und sei es bloß Halbdemokratie, wie wir gerade haben.
    Auch dass der spanische Bürgerkrieg als „religiöse Verfolgung“ bezeichnet wird, sogar als eine schlimmere, als das Pogrom gegen die Juden in Deutschland, zeigt klar, dass Demokratie, Freiheit, ja sogar Verfassungsstaat nicht im Sinne des Klerus sind, denn dafür wurde auf Seiten der Demokraten und Anarchisten im spanischen Bürgerkrieg gekämpft.
    Mit Franz Jägerstätter konnte der Fassade ein neuer Aufstrich gegeben werden, doch das kann nicht überdecken: Profrancistische Priester werden heilig gesprochen, antifrancistische Priester nicht. Der Kampf gegen Faschismus ist religiöse Verfolgung gegen das Christentum nach Meinung des Vatikans und schlimmer als die Reichspogromnacht. Es bleibt kein anderer Schluss, als dass der Vatikan die Reichspogromnacht „nicht so schlimm“ findet und die Militärdiktatur Francos begrüßt.

  3. kroski.meint Says:

    Stichwort „Pfaffe“:
    Papst Johannes Paul II. spricht Pater Maximilian Kolbe heilig. Es ist der 10. Oktober 1982. Gerade mal 41 Jahre sind seit Kolbes Ermordung vergangen – eine ungewöhnlich kurze Zeit bei römischen Prozessen der Heiligsprechung. Den Anlass findet sich im Vernichtungslager Auschwitz, 31. Juli 1941. Einem Häftling ist die Flucht geglückt. Lagerführer Karl Fritzsch lässt die 800 Gefangenen von Block 14 auf dem Appellplatz antreten und sucht sich willkürlich zehn Todeskandidaten aus, die aus Rache für die Flucht qualvoll verhungern sollen. Als er sich den Polen Franciszek Gajowniczek krallt, schreit der beim Gedanken an seine Frau und seine beiden Kinder laut auf. Da schiebt sich eine ausgemergelte Gestalt mit der Nummer 16670 durch die Reihen und tritt vor den Lagerführer. Es ist der Franziskanerpater Maximilian Kolbe. Jahre später, nach der Befreiung von Auschwitz, wird ein Dialog bekannt, den der Priester mit Fritzsch geführt hat. Der fragt zunächst im unverschämten Jargon der Nazis: Was will das Polenschwein? Kolbe antwortet schlicht, mit ruhiger Stimme, in reinem Deutsch: Ich möchte für den da sterben. Ich bin katholischer Priester, 47 Jahre alt und stehe allein; er hat Frau und Kinder. Fritzsch reagiert hämisch: „Er ist ein Pfaffe“. Und offenbar amüsiert fügt er hinzu: „Akzeptiert“.

    Die katholische braucht (Ihnen) nicht zu beweisen, dass sie katholische Priester, die gegen nationalsozialistische Herrschaftsformen aufgetreten sind, ehrt. Das hat sie längst getan.

  4. kroski.meint Says:

    Sichworte „Jägerstätter“, Reichsprogromnacht:
    Richtig, Jägerstätter war kein Priester. Was dieser Fall aber eindrucksvoll zeigt, ist, dass die Initiative für die Heilung von Kirchenverbrechen am besten regional (also ZUNÄCHST NICHT nicht vom Vatikan aus) erfolgt: Durch österreichische und amerikanische (!) Geschichtsaufarbeitung ist der Fall Jägerstätter erst deutlich ans Licht gekommen – und schliesslich vom Vatikan (nach eingehender Prüfung) in Form der Seligsprechung beantwortet worden.

    Die herausgegriffenen Beispiele Jägerstätter und Kolbe zeigen ganz deutlich, dass Christen und Priester in Ländern, deren Kirchen die Nationalsozialisten unterstützt haben, vom Vatikan ohne jeden Kompromiss geehrt werden. Zusammen mit den Erklärungen der Päpste Johannes Paul II und Benedikt XVI. kommen wir Schluss, dass der Vatikan die Reichspogromnacht auf das schärfste verurteilt.

  5. kroski.meint Says:

    Stichworte TAZ, spanische Geschichtsaufarbeitung:
    Zitat TAZ: „Mit der Zeremonie am kommenden Sonntag zeigt Spaniens Amtskirche einmal mehr, dass sie auch 32 Jahre nach dem Tod von Diktator Francisco Franco nicht in der Demokratie angekommen ist. Alle Kräfte der spanischen Gesellschaft haben ihre Transición – ihren Übergang – hinter sich, nur die Bischöfe nicht.“ Diese Einschätzung ist nicht nur oberflächlich, sondern grundfalsch:

    Doch Spanien hält sich auch unter der sozialistischen Regierung zurück, es tut nichts, und unterstützt diese zivilgesellschaftliche Bewegung nicht einmal finanziell. Gegründet wurde die APRMH im Jahr 2000 vom Soziologen und Journalist Emilio Silva, dem Enkel eines Franco-Opfers. Die Überreste seines ermordeten Großvaters lagen mehr als 60 Jahre nach Bürgerkriegsende in einem Straßengraben verscharrt. „Niemand hat der spanischen Rechten je ihre Grenzen gezeigt“, meint dazu Emilio Silva, der übrigens auch von Deutschland und Italien die überfällige offizielle Entschuldigung für die Zusammenarbeit Hitlers und Mussolinis mit Franco verlangt. Heute nun fordern er und seine Mitstreiter „Rehabilitierung, Entschädigungen, Annullierung von Gerichtsprozessen.“ Man fordert über Erinnerung hinaus auch Gerechtigkeit. Man weigert sich, die Vergangenheit als abgeschlossen zu erklären. Man nennt nicht nur die Opfer beim Namen, sondern auch die Täter. Zuletzt sorgte ein Gesetz mit dem bemerkenswerten Namen „Gesetz zur Wiederherstellung der historischen Erinnerung“ für heftigste Debatten. Die Regierung Zapatero hatte es geplant, um die unabhängige Erforschung dieser blutigen Geschichte zu sichern. Hierbei geht es allerdings allein um eine moralische Rehabilitierung bzw. Verurteilung.

    Im „Tal der Gefallenen“ sind überdies jene für Spanien so peinlichen politische Veranstaltungen der letzten offiziellen Franco-Anhänger in Zukunft verboten. An öffentlichen Orten müssen allerdings alle politischen Symbole, Inschriften und Denkmäler, die nur einer der beiden Bürgerkriegsparteien gedenken, entfernt werden – in der Praxis bedeutet dies zwar die Beseitigung aller franquistischen Symbole an staatlichen Gebäuden, derer es peinlicherweise noch viele gibt, es ist damit aber auch eine Konzentration auf die Opfer unter den Verteidigern der Republik künftig schwerer, werden Faschisten und Republikaner zumindest formal gleichrangig behandelt. Ein typisch spanischer, symptomatischer Kompromiss, der es keinem künftig recht macht.

  6. kurokasai Says:

    An der Heiligsprechung der profrancistischen Priester und der Umdeutung des spanischen Bürgerkriegs bzw. der Verharmlosung der Reichspogromnacht ändert auch Maximilian Kolbe nichts. Diese Fälle bestätigen meine Meinung, dass insgesamt auch antifaschistische Priester geehrt wurden. Jedoch nur wenige. Warum das besser sein soll, als eine grundlegende Geschichtsaufarbeitung und eine klare Stellung gegen Faschismus durch die Kirchenoberen kann ich nicht nachvollziehen. Eine Exkommunikation der Kollaborateure und Antisemiten im katholischen Klerus wäre eine gute Möglichkeit, ein klares Signal gegen Faschismus zu setzen. Sobald also Pius XII und die „Märtyrer“ in Spanien, sowie Personen wie Bischof Gföllner von Linz und Jozef Tiso exkommuniziert sind, glaube ich selbst, dass Nationalsozialismus mit der Meinung der Kirchnführer nicht vereinbar ist.
    Dass Spaniens Geschichtsaufarbeitung nicht das Wahre ist, weiß ich selbst, kann mir aber nicht vorstellen, was das mit der Heiligsprechung der Franco-Kollaborateure zu tun hat. Dass ich von der spanischen Regierung (wie auch von den restlichen Regierungen dieser Welt) nicht besonders angetan bin, sollte eigentlich jeder wissen, der einige zufällige Artiel in meinem Blog gelesen hat.

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