Computerwahl durch die Hintertür

Vor ein paar Monaten noch sorgten NEDAP-Wahlcomputer für Bedenken, ob die Wahlen noch sicher seien, schließlich ist in dem Wahlcomputer für den Wähler nichts nachprüfbar und Ergebnisverfälschungen wären nur eine Sache des Know-Hows. Als in den Niederlanden einer der Wahlcomputer gehackt und umprogrammiert wurde, war das Thema erst einmal vom Tisch. Die Unsicherheit einer Computerwahl war nun auch für den letzten Hohlkopf unübersehbar.

Doch wäre es ein Irrtum, anzunehmen, unsere Herrscherkaste würde aus Dummheit unsichere Wahlsysteme einführen wollen. Denn kaum hat sich die Aufregung über die ersten Wahlcomputer gelegt, kommen neue, in Form von digitalen Wahlstiften, die bisher nur in Hamburg eingesetzt werden sollen. Dabei handelt es sich um Stifte, die ein kaum zu sehendes Kreuz auf den Wahlzettel malen und Daten an einen Laptop schicken, auf denen die Stimmen dann gespeichert werden. Dabei wird vorgegaukelt, dass es sich um eine Papierwahl handele, doch es ist nichts anderes als eine Computerwahl mit Dekorationspapier mit den gleichen Sicherheitsmängeln wie vorher schon zuzüglich einigen weiteren.

Laut dem neuen Hamburger Wahlgesetz sollen dabei ausschließlich die vom Wahlstift aufgezeichneten digitalen Kreuze als Ausdruck des Wählerwillens gelten, das Papier dient nur als wählerberuhigende Dekoration. Folgerichtig werden die Stimmen auf dem Papier auch nur in 17 der ca. 1300 Wahllokale zur Überprüfung nachgezählt. Stimmen, welche nicht mit dem Digitalen Wahlstift, sondern erkennbar mit einem herkömmlichen Kugelschreiber oder Füller abgegeben werden, gelten als ungültig und werden aussortiert.
[…]
Bei der Briefwahl werden die Stimmen von zwei Wahlhelfern mit dem Digitalen Stift nachgemalt, um damit ebenfalls ein computergestütztes Ergebnis zu ermitteln.
[…]
Um die technische Sicherheit des Digitalen Wahlstift Systems (DWS) zu belegen, wurde ein Schutzprofil nach den sogenannten Common Criteria erstellt, einem Standard der eigentlich zur Standardisierung von Teilbereichen der IT-Sicherheit, nicht aber für Wahlsysteme entwickelt wurde. Die Verwendbarkeit von Common Criteria für die Beurteilung von Wahlsystemen gilt demzufolge unter Experten als äußerst zweifelhaft.
[…]
Eine Veröffentlichung der Software des Digitalen Wahlstiftsystems und damit der zu Grunde liegenden Technik ist nicht vorgesehen, womit eine öffentliche Prüfung durch unabhängige Sicherheitsexperten unterbunden wird. Kritische Aussagen der Verfassungsexperten Dr. Stephanie Schiedermair und Prof. Dr. Ulrich Karpen werden ignoriert. Auch Warnungen von Sicherheitsexperten wie Prof. Dr. Klaus Brunnstein und dem CCC wurden als theoretisch oder populistisch abgetan.

(via fefe)

Scheint als hätte man die Unsicherste Möglichkeit gesucht, eine Wahl abzuhalten, und diese auch gefunden. Das blinde Vertrauen zu den beiden Wahlhelfern, die die Briefwahlstimmen mit dem Digitalstift nachzeichnen sollen, macht mich jedenfalls misstrauisch. Dieselben Leute, die einem Bürger nicht einmal zutrauen, aus der richtigen Seite des Zuges ohne Anweisung auszusteigen, fassen genug Vertrauen in zwei Wahlhelfer, bei der Nachzeichnung keinen Unfug anzustellen? Oder haben sie eine Sicherheitsmöglichkeit?

Eine Manipulation der Wahl durch Innentäter, also etwa durch Wahlhelfer, Administratoren der Behörde für Inneres oder Mitarbeiter der Herstellerfirmen wird im Schutzprofil per Definition ausgeschlossen.

Dann ist ja alles klar. Die Wahlen sind sicher und die Erde eine Scheibe. Mir drängt sich bei dem Gedanken ein Witz auf:

Ein Mathematiker wird im Zuge eines Experiments allein in einen Raum gesperrt zusammen mit einer Dose, die Nahrung für sieben Tage enthält, einer Tafel, Kreide, aber keinem Dosenöffner. Nach sieben Tagen wird er Raum wieder geöffnet und man entdeckt die Leiche des Mathematikers, er ist verhungert. Die Dose steht ungeöffnet im Raum und an der Tafel steht: „Definiere: Dose auf“.

Dieser Stift ist zudem das Ende der geheimen Wahl, wenn man eine elektronische Registrierung des Wählers mit dem Stift verknüpft. Der „real existierende Sozialismus“ würde sich dann nur noch in der Farbe der Fahnen vom real existierenden Kapitalismus unterscheiden.

Der Chaos Computer Club hat diesen Wahlcomputerstift übrigens bereits gehackt und einen Trojanerstift erstellt.

Der CCC hat zur beispielhaften Illustration der vielfältigen Angriffsmöglichkeiten gegen den Wahlstift für die Hamburger Bürgerschaft einen trojanischen Wahlstift entwickelt, der äußerlich nicht als solcher erkennbar ist. Solch ein Stift kann sowohl von Wählern als auch von an der Wahlvorbereitung und -durchführung beteiligten Personen unbemerkt ins Wahllokal mitgebracht und statt dem echten Wahlstift in die Auslesestation gesteckt werden. Der manipulierte Stift überträgt dann nicht nur digitale Stimmkreuze zum Auswertungscomputer, sondern agiert als ein sogenanntes Trojanisches Pferd zum Einschleusen von Schadsoftware.

Hoffentlich geht jetzt genug Leuten ein Licht auf. Dieses System ist einfach nur unsicher und im Vergleich zur bisherigen Wahl nutzlos. Jedoch passt er sehr gut in unser System der vorgetäuschten Demokratie, täuscht er eine Wahl doch auch nur vor. Mein Eindruck von diesem Gerät ist jedenfalls, dass es dazu da ist, Wahlen zu manipulieren und das Wahlgeheimnis loszuwerden. Wir gehen rückwärts in der Geschichte, nicht vorwärts in eine Demokratie, sondern nach hinten, direkt in den Faschismus.

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