Kein Warnlicht, kein Problem?

Wieder einmal Amoklauf, wieder einmal die üblichen Verdächtigen, wenn der Volkssport „Schuldzuweisung“ beginnt: „Killerspiele“ und „Gewaltmusik„. Und das Internet natürlich. Dabei kommt kein Sittenstrolch auf die Idee, sich zu fragen, warum die Amokläufer ihr Massaker nicht auf Metal-Konzerten oder LAN-Partys veranstalten, sondern in Schulen. Das Raster, das sich abzeichnet ist nicht Ego-Shooter – Metal – Waffenbesitz – Amoklauf, sondern Mobbing – Verzeiflung – Amoklauf. Viele, wenn nicht alle, Mobbingopfer geben an, ihren Peinigern gerne das Gesicht einschlagen zu wollen, bis die Knochensplitter fliegen. Ein Amoklauf ist nichts weiter als das alte „Wie du mir, so ich dir“-Spiel, nur geben Amokläufer die Gewalt, die sie stufenweise über Jahre erfahren haben an einem Tag und deswegen in einem Stück zurück.

Dass überhaut jemand auf die Idee kommt, Menschen gezielt töten zu wollen, ist ein überdeutliches Warnsignal; es zeigt an, dass etwas grundlegend schief läuft in unserer Gesellschaft. Doch statt das Signal zu beachten, übt man sich lieber in Schuldzuweisung und Symptombehandlung, wie Klaus Jansen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, sie propagiert:

Wir sollten Zugang zu solchen Waffen wirklich absolut erschweren. Es macht keinen Sinn, dass junge Menschen mit solchem Kram hantieren, und es macht auch keinen Sinn, dass wir die ungeschützt mit Gewaltvideos und Gewaltspielen, Ego-Shootern und Ähnlichem, umgehen lassen. Immer wieder bei entsprechenden Analysen von derartigen Taten kommen wir auf die Kombination: Zugang zu Computerspielen, Zugang zu Gewaltvideos, Zugang zu Waffen. Ich glaube, das ist ein Raster. Das sollten wir in der Politik wirklich nutzen, um der Jugend solche Sachen aus den Fingern zu nehmen.

Wenn man den Zugang zu Waffen erschwert, passieren Amokläufe wohl seltener, doch sind die Probleme damit nicht gelöst, man sieht sie nur nicht mehr, was auf lange Sicht gesehen zu viel schwerwiegenderen Konsequenzen führt. Statt mit einer Plastikarmbrust rächt sich der Amokläufer dann mit Molotowcocktails, deren Inhaltsstoffe sich in fast jedem Haushalt finden lassen. Eine reine Symptombehandlung, die die Ursachen ignoriert und das Problem nur in die Zukunft verschiebt. Ob Klaus Jansen, wenn er eine abschüssige Straße befährt und ein Warnlicht in seinem Amaturenbret ihm anzeigt, dass die Bremsen nicht funktionieren, bloß das Warnlicht entfernt und dann sicheren Gefühls noch etwas Gas gibt?

Aber so ein Amoklauf ist zumindest wieder einmal eine Gelegenheit, um für den Onlineparasiten zu werben (wie jedes Verbrechen, das Schlagzeilen macht):

Die technische Ausrüstung, meine ich, ist soweit bei der Polizei vorhanden, wir brauchen allerdings auch die Möglichkeiten, im Einzelfalle gleich feststellen zu können: Was ist auf dem Rechner von einem Beschuldigten los?

Und da kommen wir zu dem Thema Onlinedurchsuchung

Onlinedurchsuchung, das Allheilmittel des Polizeiapparates, gegen Terroristen, Pädophile , Amokläufer, Mörder, Diebe, Raubkopierer, Gesinnungsverbrecher, Randalierer, Falschparker und den Rest der  Menschen in der BRD…

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