Auch Soldaten sind Mörder!

Ich hatte die Phrase „Soldaten sind Mörder!“ in einem früheren Beitrag bereits einmal negiert. Dabei bezog ich mich allerdings nur auf ihre vorgesehene Tätigkeit, „den Feind“ (wer auch immer gerade Feind ist) zu erschießen. Ganz herkömmlicher Mord in einer Form, die von besonderer Menschenverachtung zeugt, kommt allerdings auch unter Soldaten vor.

Wohlgethan berichtet auch, wie menschenverachtend sich Soldaten der sogenannten Schutztruppe ISAF gegenüber der Zivilbevölkerung verhielten. Wenn sie überprüfen wollten, ob in einem Feldstück noch versteckte Minen lagen, warfen sie vor den Augen hungriger Kinder Äpfel hinein. »Wenn die Kinder losliefen, um sich die Äpfel zu holen, und es keinen Knall gab, wurde dieses Feld als geklärt und unvermint betrachtet.« Und wenn es doch knallte, hatte das Kind eben Pech gehabt.

Mir wird schlecht, wenn ich das lese. Bei diesem Verhalten der „Schutztruppe“ wundere ich mich nicht, warum einige gewaltbereite Terroristen uns in die Luft jagen wollen (die terroristische Bedrohung ist zum größten Teil allerdings ein Hirngespinst und Panikmache um die totale Überwachung der Bevölkerung weiter auszubauen). Ich wundere mich, warum das so wenig sind. Was wird wohl der Vater des Kindes, das „Pech gehabt“ hatte tun? Er wird seinen Hass wohl an den Besatzungssoldaten auslassen. Es ist nur natürlich, dass die Taliban sich bereits 54% von Afghanistan zurückerobern konnten. Wer die Bevölkerung des besetzten Landes auf die schlimmstmögliche Weise behandelt, der braucht sich nicht wundern, wenn der Widerstand Zulauf in Scharen erhält.

Der Artikel berichtet auch von anderen Eklaten deutschen ISAF-Truppen (und unserer Verbündeten dort). Über Besäufnisse, die das Oktoberfest wie einen Kindergarten aussehen lassen, Gruppenvergewaltigungen in der Armee von Hamid Karsai (ja, diese Schweine sind unsere Alliierten), eindeutig illegale Operationen außerhalb des zugewiesenen Mandatsgebietes der Bundeswehr, Erschießungen von Afghanen unter ungeklärtem Umständen und rechtswidrige Einsätze für den MAD.

Das große Pech hat die Bevölkerung, denn unter einer weiteren Regierung der Taliban wird es ihnen auch nicht besser gehen als unter der ersten. Vielleicht aber, wenn sie Glück haben, reißt aber die Abu Sajaf das Ruder an sich. Im Gegensatz zur Hauptstadt ist das von der Abu Sajaf kontrollierte Gebiet ein (für afghanische Verhältnisse) ein Idyll.

Wohlgethan schildert Patrouillenfahrten durch den Bezirk Paghman nordwestlich von Kabul, wo die Gruppe Abu Sayyaf unter ihrem Anführer Khaddafy Janjalani das Sagen hatte. Abu Sayyaf wird gemeinhin dem Netzwerk Al-Qaida zugerechnet. »Wir genossen dieses Dorfidyll, das wie eine Mischung aus Toskana und Tausendundeiner Nacht anmutete. Augenscheinlich sorgte Khaddafy Janjalani sehr gut für die Menschen in seinem Bezirk.«

Ja, richtig gelesen. Die verrückten Islamisten von Al Kaida sorgen für halbwegs erträgliche Lebensumstände. Diese „gefährliche Bedrohung“, diese „bekloppten Fanatiker“ sind die einzigen, die die Afghanen konsequent wie Menschen behandeln. Unter einem islamistischen Regime ist das Leben allerdings trotzdem (vermutlich) kein Zuckerschlecken, aber besser als unter NATO-Besatzung geht es den Afghanen auf jeden Fall.

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