Menschen zweiter Klasse

Wenn man sich fragt, was es bedeutet, dass der Bielefelder Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer in seiner Studie zum Zusammenleben der deutschen Bürger von einer „zunehmenden Verachtung für Obdachlose, Bettler, Sozialhilfeempfänger und Ausländer“ spricht, dann kann der jüngste Vorfall eine Antwort für den Punkt Sozialhilfeempfänger geben.

Laut Angaben von mehreren Zeugen soll es heute morgen in der ARGE Bonn zu einem Zwischenfall gekommen sein. Der Sicherheitsdienst hätte einen Kunden sehr rüde aus der ARGE herausgeprügelt und dabei keine Rücksicht auf Verletzungen und die Sicherheit der wartenden Kunden genommen. Während der Wartezeit sei es zu einer verbalen Eskalation zwischen einen Kunden und einer Sachbearbeiterin der Kundentheke gekommen. Der Kunde hatte sich beschwert, weil jemand ohne Wartenummer vorgezogen wurde. Von der Sachbearbeiterin sei darauf hin der Kunde lautstark zurecht gewiesen worden, dass er den „Mund halten solle“. Auf seinen weiteren Protest spitzte sich die Situation dahingehend zu, so dass 3 Wachleute ihn umringten und ihn aufforderten zu gehen. Auf seine Weigerung hin gingen alle drei auf ihn los und prügelten ihn durch die Seitentür, ohne Rücksicht auf Verletzungen bzw. auf die Sicherheit der anderen Kunden.

Dem Angriff sollen dann nicht näher genannte menschenverachtende Äußerungen gefolgt sein. Auch weitere Sozialhilfeempfänger fühlten sich durch diesen Vorfall bedroht, was sehr leicht nachzuvollziehen ist, immerhin demonstrierte das Wachpersonal mit ihrem Vorgehen, wie viel wert sie der körperlichen Unversehrtheit eines Arbeitslosen zuspricht. Diese stellt zwar ein Menschenrecht dar, jedoch scheinen für Arbeitslose nach Meinung der Wachleute die Menschenrechte bloß eingeschränkt zu gelten.

Diese Feindlichkeit gegenüber den Marginalisierten kommt nicht von ungefähr, sie ist das Produkt einer systematischen Hetze, in der die Verlierer unserer Gesellschaft beispielsweise unverblümt als Parasiten beschimpft werden. Und zwar nicht von irgendeinem Hinterwäldler, sondern vom damaligen Arbeitsminister Wolfgang Clement in einem offiziellem Report.

Wer hetzt, schürt Hass. Hass erzeugt Gewalt. Es ist ganz einfach und problemlos nachvollziehbar. Ebenso einfach wie die Strategie, das Volk durch Konflikte untereinander von der Rebellion abzuhalten. Der Feind ist jedoch nicht der arbeitslose „Parasit“, der Sozialleistungen erhält. Dieser schadet nicht und er hat für gewöhnlich das Interesse, eine Leistung für seine Mitmenschen zu erbringen. Die Elite, die uns kontrolliert, also die Parlamentarier und die Wirtschaftsbonzen, hat dieses Interesse nicht. Sie sind glücklich damit, sich am Ausverkauf der Menschen dieses Landes zu bereichern und nehmen dabei auch gewaltsame Übergriffe gegen bestimmte Menschengruppen in Kauf. Um weitere Übergriffe zu verhindern, muss diese Elite da weg. Und zwar nicht, indem wir andere Personen dort installieren, die dann sehr schnell wieder den gleichen Dreck fabrizieren, die Elite muss dauerhaft verschwinden, wir benötigen dringend eine Basisdemokratie, nicht nur allein, um derartige Angriffe gegen Arbeitslose zu verhindern, aber auch deswegen. Denn niemand, der ein wenig soziales Denken besitzt, kann sich ernsthaft wünschen, dass Menschen Angst haben müssen, verprügelt zu werden, weil sie im Wettbewerb auf der Strecke geblieben sind.

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