Einfallstor Kinderpornographie

„Um das zu bekämpfen, ist jedes Mittel recht.“ Diese Worte entstammen dem Vorsitzenden der GdP, Konrad Freiberg zum Thema Kinderpronographie. Jedes Mittel, das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Jedes Mittel ist deutlich was anderes als jedes rechtsstaatliche Mittel oder jedes Mittel, desssen Einsatz nicht zur Vernichtung der Existenz Unschuldiger führt. Diese Gefahr ist bei Ermittlungen im Umfeld der Kinderpornographie in besonders hohem Maße gegeben, weil schon allein der Verdacht auf den Besitz kinderpornographischer Medien einem Menschen das gesamte soziale Umfeld nimmt. Der Job ist dann meist weg, die Ehe vorbei und bevor man seine eigenen Kinder sehen kann, darf man erstmal einen gerichtlichen Prozess führen. Selbst dann, wenn sich der Verdacht als falsch herausstellt.

Ein Beispiel, was mit „jedes Mittel“ gemeint ist, liefert jüngst Jörg Ziercke, seines Zeichens amtierendes Alphatier beim BKA.

Jörg Ziercke, hat sich bei der Vorstellung des Lagebilds […] zur organisierten Kriminalität 2007 dafür ausgesprochen, Internetprovider gesetzlich zur Sperrung von Angeboten mit kinderpornographischen oder fremdenfeindlichen Inhalten zu verpflichten.

Das ist nichts weiter als die Forderung nach einer Zensur des Internets, wie man sie nur in autokratischen Regimen erwartet. Natürlich ist es geschickt, die Zensur mit dem Verweis auf Kinderpornographie einzuführen, das dieses Thema ein Maß an Empörung hervorruft, wie es ohne gleichen ist. Daher sind die Mitglieder der Gesellschaft eher bereit eine Zensur hinzunehmen, wenn sie sich gegen Pädophile richtet. Dahinter steckt einerseits die Verachtung, die Pädophilen entgegengebracht wird, andererseits die Überzeugung, nicht selbst von der Zensur betroffen zu sein, weil man selbst eben nicht pädophil sei.

Diese Überzeugung täuscht aber, da die Zensur von Seiten, die kinderpornographisches Material anbieten nur der Anfang einer deutlich größer angelegten Zensur des Internets ist, wie Ziercke selbst schon andeutet.

In einen entsprechenden Vorstoß sei „ganz dringend auch die Sperrung von fremdenfeindlichen und anti-semitischen Inhalten einzubeziehen“, da diese ebenfalls auf unterster moralischer Stufe stünden.

Auch hier lohnt sich ein genauerer Blick, vor allem auf Zierckes Motiv. Begründet wird die Sperrung nämlich nicht damit, dass antisemitische Seiten durch Aufrufe zur Gewalt und ähnliche Inhalte eine Gefahr für jüdische Mitmenschen sind, sondern damit, dass sie „unmoralisch“ seien. Nun ist Moral aber austauschbar und unmoralisch kann alles sein. Das ist nichts weiter als eine Allzweckbegründung um jede unerwünschte Seite zu sperren und somit auch Kritiker mundtot zu machen.

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4 Antworten to “Einfallstor Kinderpornographie”

  1. tabasco22 Says:

    trackback gesetzt auf http://tabasco22.wordpress.com/2008/08/24/operation-smasher-meine-analyse-der-berichterstattung/

  2. mephane Says:

    Zu allem Überfluss käme da noch die beabsichtigte Klausel hinzu, nach der alles Material, das auch nur theoretisch eine minderjährige Person abbildet, bereits der Kinderpronographie zugerechnet werden soll. D.h. selbst wenn in einem Video eine 18-Jährige posiert, aber so aussieht als könnte sie 17 sein (und das trifft auf praktisch alle 18-Jährigen zu, da man in dem Alter nun erst recht nicht das genaue Jahr anhand des Aussehens einschätzen kann), wäre demnach schon ein „Kinderporno“, ganz abgesehen davon dass es eigentlich einen internationalen Konsens gibt, dass 14-17-Jährige keine Kinder sind, sondern Jugendliche und daher ja auch einige liberalere Regeln gelten, insbesondere was einvernehmliche Aktivitäten betrifft.

    Mit der neuen Agenda nun – welche sich übrigens von langer Hand angekündigt hat, siehe hierzu z.b. diverse Artikel bei http://karlweiss.twoday.net/ – soll mit der Holzhammermethode einfach alles kriminalisiert werden, was den altertümlichen Betonköpfe und Möchtegerndikatoren nicht in den Kram passt, und nebenbei schafft man sich eine gute Möglichkeit für weitere Formen von Generalverdacht und Überwachung.

    Mit dieser neuen Regelung können wir gleich wieder Bücher verbrennen gehen, denn so manches literarisch wertvolle Werk wäre dann illegal.

  3. kurokasai Says:

    Die Klausel dient wohl (neben der Erfüllung eines erzreaktionären Weltbilds) dazu, die Zahl der der Kinderpornographie angeklagten zu erhöhen, um somit eine höhere Gefahr durch Pädophile zu suggerieren. Je größer das Problem Kinderpornographie erscheint, desto mehr Menschen sind bereit, Freiheiten im „Kampf gegen Kinderschänder“ aufzugeben.

  4. Pit Says:

    Man will ein ganzes Volk kriminalisieren,wer Angst hat selbst gegen ein Gesetz verstoßen zu haben wagt nicht mehr kritische Seiten im Netz aufzusuchen oder den Mund aufzumachen.Und was Pädophile angeht,darüber sollte jeder mal in Ruhe nachdenken.Bin ich schon ein gefährlicher Kinderschänder weil ich junge Mädchen einfach hübsch finde?Was hier stattfindet ist nichts weiter als eine Hexenjagd um im Zweifel ein Mittel zu haben,jeden beliebigen Störer,ein für alle mal gesellschaftlich zu vernichten,im übrigen sehen wir ja jeden Tag wie man dieses Thema einsetzt um unsere Informationsfreiheit einzuschränken.Diesem Regime sind unsere Kinder scheißegal und in Wirklichkeit keinen Pfifferling wert,das dürfte ja wohl selbst der letzte Depp inzwischen begriffen haben.Wir müssen endlich begreifen das Pädophilie eine krankhafte Neigung ist,die es sicherlich in unzähligen Varianten gibt und nicht jeder ist gleich eine so große Gefahr das man ihn einsperren muß.Wenn wir unsere Kinder schützen wollen müßen wir diesen Menschen die Möglichkeit geben sich von Fachleuten helfen zu lassen,wenn wir sie weiter als „Untermenschen“irgendeinem Mob zum lynchen vorwerfen wollen machen wir aus ihnen Unberechenbare Zeitbomben.Das allerdings wissen die verantwortlichen Propagandisten genau,sie gefährden unsere Kinder ganz bewußt um ihre schmutzigen Ziele gegen das Volk durchzupeitschen.

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