Archive for the ‘Religion’ Category

Nächstenliebe ja, aber doch nicht für alle

Dezember 28, 2008

Nein, das Blog ist nicht tot. Anderslautende Gerüchte werden hiermit widerlegt. Ich hatte mich nur eine Zeit lang recht stark zurückgezogen und dieses Projekt schleifen lassen. Zur Wiederaufnahme werde ich mich einmal wieder den Kirchen widmen, diese Verbrecher greife ich nicht halb so oft an, wie sie es eigentlich verdienen.

Der Führer, und das wird bitte genau so assoziiert, der katholischen Kirche, „Wir Papst“ Ratzinger, hat es sich kürzlich nicht nehmen lassen zu beweisen, dass er nichts, aber auch wirklich gar nichts aus der Vergangenheit sowohl dieses Landes als auch seiner Organisation gelernt hat.

Pope Benedict said on Monday that saving humanity from homosexual or transsexual behavior was just as important as saving the rainforest from destruction.

„(The Church) should also protect man from the destruction of himself. A sort of ecology of man is needed,“ the pontiff said in a holiday address to the Curia, the Vatican’s central administration.

Wes Geistes Kind ein Mensch ist, der eine Menschengruppe aufgrund ihrer sexuellen Orientrierung als schädlichen, ja geradezu bedrohlichen uns zerstörerischen Einfluß betrachtet, dürfte wohl ohne Probleme festzustellen sein. Wer trotzdem Zweifel hat, ob die Aussage des Massenblenders eine Aufregung wert sei, dem empfehle ich, die Worte „homosexual behavior“ durch „jewish influence“ zu ersetzen.

Die Worte Ratzingers sind im Kern die gleichen Worte eines Antisemiten, der die Juden für irgendwelches Unglück in der Welt verantwortlich macht, eines Rassisten, der meint, Einwanderer schwächten den Genpool seines Volkes, oder eines Faschisten, der eine Verschwörung seiner politischen Gegner ausgemacht haben will. Allen ist gemein, dass sie sich eine Gruppe aussuchen, die sie als Sündenbock und Ziel von Aggressionen benutzen können. Homophobie ist nichts anderes als Rassismus oder Antisemitismus, sie fundiert auf der gleichen Basis wie die anderen beiden und der Papst sollte nicht anders behandelt werden als jeder Rassist und Antisemit auch.

(via)

Hasst du was, dann bist du was

März 23, 2008

Der Papst ließ zu Karfreitag mal wieder ein wenig seinen Antisemitismus raus, indem er die Karfreitagsfürbitte der tridentinische Lithiurgie wieder einführt. Diese war ihrerzeit abgeschafft worden, da sie die Grundlage des christlichen Antisemitismus (und somit sämtlichen Antisemitismus des Abendlandes) bildete.

Im Judentum zieht ein verrückter Geistlicher gleich nach und verbot jüdischen Menschen, Arabern Arbeit zu geben oder sie zu beherbergen.

Dov Lior, Oberrabbiner von Hebron und Kiryat Arba in der West Bank und Vorsitzender des Yesha-Rabbiner-Rats (Yesha ist im Hebräischen ein Kurzwort für „Judäa, Samaria und Gaza“), veröffentlichte demnach am Mittwoch ein entsprechendes jüdisches Rechtsgutachten. In einem Interview gegenüber „Eretz Israel Shelanu“ („Unser Land Israel“), die am Samstag in zahlreichen Synagogen verteilt wurde, sagte Lior, daß „da es eine Angelegenheit der Gefähdrung der Seelen ist, es offensichtlich, daß es vollständig verboten ist, sie anzustellen und ihnen in Israel Häuser zu vermieten. Ihre Anstellung ist nicht nur in Yeshivas [Talmud-Schulen], sondern auch in Fabriken, Hotels und überall verboten.“

Dieser rassistische Ausfall mag ein Unfall oder ein Ausnahmefall sein, und natürlich melden sich in Israel kritische Stimmen, die diesen Schwachsinn völlig korrekt als Rassismus bezeichen. Dennoch ist dieses Rechtsgutachten nicht zu unterschätzen, weil absolut jede rassistische Hetze eine Gefahr darstellt. Man darf zudem nicht vergessen, dass Dov Lior kein Hinterhofprediger aus einem Kleinkaff am Ende der Wüste ist, sondern als Oberrabbiner von Hebron und Kiryat Arba einen angesehenen Posten besitzt. Menschen auf hohen Posten gelten in einem hierarchischem System (für mich völlig unverständlich) als moralische Autoritäten und Vorbilder. Es geht also von einem Hassprediger wie Lior durchaus eine ernstzunehmende Gefahr aus.

Auch kann man anhand dieses Falls nachprüfen, ob man in solchen Fragen objektiv urteilt. Einfach mal vergleichen, was man über dieses Rechtsgutachten denkt, und was man denken würde, würde ein hoher islamischer Theologe eine Fatwa veröffentlichen, die den beruflichen Umgang und das Beherbergen von Juden (oder um den Kreis zu schließen Christen) verböte. Es läge das Wort „Hassprediger“ sofort auf der Zunge und nicht wenige (vor allem einige ganz spezielle pathologische Islamallergiker) würden darin ein Indiz für die Intoleranz und die Bedrohung des Islams sehen, der in der Religion per se innewohne.

Doch ist es natürlich nicht der Fall, dass eine dieser drei Religionen nennenswert aggressiver oder intoleranter wäre, als eine andere. Dazu sind die drei sich auch viel zu ähnlich. Das Problem ist nicht eine bestimmte Religion, sondern dass die Führungskaste Profit aus der Religion der Menschen schlägt und bestimmte Vertrteter der Kaste in ihrer Machtgier auch vor Rassismus nicht halt machen. Das Problem ist auch nicht direkt die Religion, diese ist ja nicht schlimm, solange ihre Anhänger niemandem, etwas zu Leide tun, sondern es sind die Führer der Gläubigen. Dabei sind auch nicht irgendwelche Mullahs/Rabbis/Priester bekloppter als andere, sondern mal dreht der eine Gottevertreter ein bisschen mehr durch und mal der andere. Und solange Menschen meinen, ihre Spiritualität dadurch ausleben zu müssen, dass sie ein paar Spinnern auch die dümmsten und gefährlichsten Lügen abkaufen, so lange wird es auch Probleme mit (religiösem) Fremdenhass und Intoleranz geben.

Laizismus?

März 21, 2008

Was würde passieren, wenn einige Landesregierungen Gesetze erlassen würden, die es verbieten, sich zu Zeiten des Ramadans tagsüber den Bauch vollzuschlagen? Es würde ein Sturm der Entrüstung losbrechen, was man als Nichtmuslim mit dem Ramadan zu tun hätte, würde man frage, und ob das nicht eine Sache unter den Muslimen bleiben sollte.Und das zu Recht. Religiöse Rituale sind einzig Sache der Anhänger einer Religion. Ob sich ein Ungläubiger einem Ritual entsprechend verhält oder dieses überhaupt beachtet, ist völlig egal, es betrifft ihn nicht. Und daher ist es völlig egal, was ein Ungläubiger macht, wenn gerade die Zeit eines bestimmten Rituals vorherrscht.

Eigentlich. Eigentlich sind auch alle Religionen in Deutschland gleich, bis auf das Christentum, das ist gleicher. Denn ein christlicher Feiertag, wohlgemerkt, hat in manchen Bundesländern durchaus Einfluss auf Nichtgläubige. So zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen:

Am [Feiertag] sind zusätzlich verboten:
1. alle in Absatz 1 genannten Veranstaltungen bis zum nächsten Tag 6 Uhr, mit Ausnahme der Großmärkte, die bis zum nächsten Tag 3 Uhr verboten sind,
2. alle nicht öffentlichen unterhaltenden Veranstaltungen außerhalb von Wohnungen bis zum nächsten Tag 6 Uhr,
3. die Vorführung von Filmen, die nicht vom Kultusminister oder der von ihm bestimmten Stelle als zur Aufführung am Karfreitag geeignet anerkannt sind, bis zum nächsten Tag 6 Uhr,
4. Veranstaltungen, Theater- und musikalische Aufführungen, Filmvorführungen und Vorträge jeglicher Art, auch
ernsten Charakters, während der Hauptzeit des Gottesdienstes.
(4) Bei Rundfunksendungen ist während der Zeit von 5 Uhr bis 18 Uhr (Absätze 1 und 2) und von 0 Uhr bis zum nächsten Tag 6 Uhr (Absatz 3) auf den ernsten Charakter der stillen Feiertage Rücksicht zu nehmen.

Nun fragt man sich, was denn beispielsweise ein Konzert in einem Club irgendwo weitab jeder Kirche mit dem Karfreitag zu tun hätte. Dort wäre kein Ritual gestört. Doch der Allmachtswahn der Gottesvertreter kennt keine Grenzen. Wenn man ein Ritual feiert, haben alle ruhig zu sein. Das gilt natürlich nur für christliche Rituale. Juden, Moslems, Buddhisten, Satanisten und sonstige Heiden kriegen dieses Vorrecht natürlich nicht. Denn die BRD ist ein christlicher Staat, kein laizistischer, oder gar einer, in dem alle Religionen gleiche Rechte genießen.

Wer heute also seine Abendplanung wahrnimmt, der denke doch bitte an so arme Teufel, wie Atheisten und sonstige Nichtchristen, die mit diesen Regelungen daran erinnert werden, dass in den Augen der Staatsmacht ihre Weltanschauung weniger wert ist als das Christentum.

Ferkelbuch wurde nicht indiziert

März 9, 2008

Zur Abwechslung einmal eine gute Nachricht. Das religionskritsche Buch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ wurde nun entgegen der Pläne von der von der Leyen glücklicherweise nicht indiziert. Eine positive Nachricht für alle Atheisten, Freidenker und Leute, denen was an der freien Meinungsäußerung liegt.

Stephan Kramer, seines Zeichens Generalsekretär des Zentralrats der Juden, möchte dieReligionskritik aber trotzdem nicht dulden.

Kramer sagte dem epd, das Buch sei «ekelhaft und gefährlich». Er hätte sich gewünscht, dass es «vom Büchermarkt weggebeamt wird». Doch wichtiger als eine Indizierung sei die Diskussion: «Solche Dinge lassen sich eher durch gesellschaftliche Missbilligung ahnden, als dass mit Verboten operiert wird», so Kramer. Jetzt müsse die Gesellschaft aber einen Konsens über die Schmerzgrenze entwickeln, ab der die Verächtlichmachung von Minderheiten nicht mehr zulässig sei.

Nun, um Verächtlichmachung von Minderheiten geht es dem Autor Schmidt-Salomon wohl nicht, sondern eher um Kritik. Diese will Kramer aber unterbinden, und damit die Religionsfreiheit nuntergraben, denn Religionsfreiheit bedeutet auch, dass mn keine Religion hat. Und wenn Religiöse ihre Kinder durch Geschichten beeinflussen dürfen, sollte gleiches Recht auch für Atheisten gelten. Die „gesellschaftliche Missbilligung“, die Kramer erreichen will, ist übrigens schon jetzt fehlgeschlagen, das Buch befindet sich inzwischen in der vierten Auflage.

Die Argumentation gegen das Buch war damals dermaßen unter allem Niveau, was ich einmal darstellen möchte, indem ich die Kritikpunkte, die die „Süddeutsche“ mittels einer Bilderstrecke gegen die „Prediger des Hasses“ [sic!] vorbrachte, hier nocheinmal darlege.

  1. Das Buch negiert angeblich die Existenz von gemäßigten Religiösen.
  2. Das Buch stellt die Behauptung auf, Kirchen, Moscheen und Synagogen seien riesig groß. Das Ferkel fragt sich daraufhin, ob Gott ein Riese sei, da er so große Häuser braucht.
  3. Die Darstellung des Rabbis erinnere an die Karikaturen des Nationalsozialismus, weil der Rabbi sich (wie die Vertreter der beiden anderen abrahamitischen Religionen) sich als Unsympath herausstellt.
  4. Das Buch behauptet doch glatt, es gäbe eine Geschichte in der jüdischen Religion, nach der Gott alle Menschen und Tiere bis auf zwei jeder Sorte vernichtet.
  5. Im Christentum hingegen soll es eine Geschichte geben, in der spitze Nägel, Folter und Blut vorkommen. „Nichts für schwache Nerven.“ Außerdem sollen Christen ein „Splattermotiv“ (O-Ton Süddeutsche) aufhängen, das einen grausam zu Tode gekommenen Mann zeigt.
  6. Nun wird das Pamphlet aber ganz dreist. Angeblich sollen Moslems fünfmal am Tag beten und kommen in die Hölle, wenn sie die Gesetze des HERRN nicht befolgen.
  7. Die Religionsführer gehen schließlich aufeinander los, jeder meint, er verträte die wahre Religion.
  8. Das Ferkel und sein Freund zerreissen schließlich das Plakat, das sie zu Beginn der Handlung aufgefordert hatte, Gott zu suchen und sind glücklich.
  9. Am Ende wird dann behauptet, Rabbis, Muftis und Pfaffen seien auch nichts anderes als ganz normale Menschen, wie jeder andere Mensch auch.

Man sieht, ich bin in meinen Formulierungen nicht ganz ernst geblieben, habe aber die Kritikpunkte der Süddeutschen korrekt wiedergegeben. Man sieht, dass man eine solche Position, wie sie der Verantwortliche dieser Bilderstrecke vertritt, nur karikieren.

Und für alle, die es, wie der betreffende Redakteur der Süddeutschen, nicht weiß:

  1. Es gibt tatsächlich eine Geschichte von einem Massenmord durch Gott, bei dem er nur eine handvoll Individuen entkommen ließ. Das ist die Geschichte der Sintflut, eine der bekanntesten Geschichten innerhalb der abrahamitischen Religionen.
  2. Es gibt im Christentum auch eine Geschichte über einen zu Tode gefolterten Mann, das ist die Kreuzigungsgeschichte, welche die Schlüsselstelle der Bibel darstellt.
  3. Moslems sind von ihrer Religion tatsächlich angehalten fünfmal am Tag zu beten.
  4. Konflikte zwischen den abrahamitischen Religionen waren und sind Realität. Ich empfehle einmal unter „Kreuzzug“ zu googeln.
  5. Geistliche sind wirklich Menschen, keine Überwesen oder etwas ähnliches.

Es fragen sich sicher viele, was denn dieser Mist soll, das sei doch klar. Doch, wie die „Süddeutsche“ beweist, gibt es durchaus Menschen, die in religiöser Allgemeinbildung erhebliche Defizite aufweisen. Ob diese Leute sich allerdings an einer Diskussion mit religiösem Inhalt beteiligen sollten, wage ich doch zu bezweifeln. Ich würde ihnen raten, dies bleiben zu lassen, sie machen sich nur lächerlich.

HEIL!igenschein

Februar 13, 2008

Das weltweite Finanzierungsnetzwerk zur Unterstützung von Kinderschändern, die katholische Kirche, lässt nach der Aktion in Spanien vor vier Monaten, in der sie Kollaborateure Francisco Francos heilig sprach, die Maske noch ein Stück tiefer sinken und immer deutlicher zeigt sich die braune Fratze dieser Organisation, die schon während des dritten Reiches mit den Faschisten paktierte und nach dem Zusammenbruch derselbigen Diktatur den Führungskader über die „Rattenlinien“ in Sicherheit schaffte.

Diesmal muss man gar nicht bis nach Spanien schauen, nur ins Internet auf das Zentralorgan der Islamophoben, „Politically Incorrect“. Auf eben dieser Seite schaltete das katholische sogenannte Hilfswerk „Kirche in Not“, das sich der Unterstützung durch den Obermullah des Vatikans rühmt, eine Anzeige. Über diese Anzeigen finanziert sich dieser Nachfolger des „Stürmers“ allerdings, womit „Kirche in Not“ die Islamhasser direkt finanziell unterstützt. Auch dürfte durch diese Anzeige klar sein, wo ein katholisches Hilfswerk seine Sympathisanten vermutet.

Katholische Kirche und Rassisten. Hier wächst (wieder) zusammen, was für sich alleine schon zum Kotzen ist, aber augenscheinlich zusammen gehört.

Religiös bedingte Zensur II

Januar 29, 2008

Der Autor Michael Schmidt-Salomon und der Illustrator Helge Nyncke haben im Oktober 2007 ein Kinderbuch auf den Markt gebracht, das sich satirisch und kindgerecht mit den Schwächen der drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam auseinandersetzt. Dies hätte jedoch religiöse Mündigkeit bei Kindern zufolge, und dass ist weder im Sinne des Klerus, der es dann schwerer hat, kleine Kinder zu missbrauchen, noch im Sinne der Herrscher, da ein religiöser Mensch, der sein Glück erst im nächsten Leben sucht, sich leichter ausbeuten lässt als ein aufgeklärter. Darum hätte die Leyen gern, dass das Buch indiziert wird und lässt durch ihr Ministerium einen entsprechenden Antrag stellen.

Und weil die oben genannte Motivation zu ehrlich wäre, um offiziell durch die Propaganda des Ministeriums zu gehen, wird einfach die Antisemitismuskeule herausgeholt und was von „Jugendgefährdung“ gefaselt. Nun kritisiert das Buch aber nur fundamentale Religionsdogmen, also bei weitem nicht alle Juden, sondern nur strengreligiöse, ebenso wie orthodoxe Moslems und Christen. Um den Buch Antisemitismus zu unterstellen müsste man also davon ausgehen, dass alle Juden strenggläubige Spinner seien, was (aus meiner Sicht) wiederum ein antisemitisches Vorurteil wäre. Man kann den Antisemitismusvorwurf des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend also nur teilen, wenn man Antisemit ist. Ja, was wäre ein ordentlicher Hirnriss denn ohne Widersprüche?

Der Zensurversuch scheint schon das angestrebte Denkverbot der CSU umzusetzen, bevor dieses in Gesetzesform gegossen wurde.

Update: Interview mit Michael Schmidt-Salomon bei der jungen Welt

Fröhliches Konsumwahnfest

Dezember 24, 2007

Zu Weihnachten, dem Fest des hirnlosen Konsumierens und Menschenliebeheuchelns, möchte ich zwei Gedichte vergangener KLassenkämpfer zitieren, die sehr genua ausdrücken, wie die allgemeine Verlogenheit, die diese Gesellschaft jedes Jahr Ende Dezember befällt, auf mich wirkt.

Erich Mühsam

Weihnachten

Nun ist das Fest der Weihenacht,
das Fest, das alle glücklich macht,
wo sich mit reichen Festgeschenken
Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,
wo aller Hader wird vergeßen
beim Christbaum und beim Karpfeneßen; —
und Groß und Klein und Arm und Reich, —
an diesem Tag ist alles gleich.
So steht’s in vielerlei Varianten
in deutschen Blättern. Alten Tanten
und Wickelkindern rollt die Zähre
ins Taschentuch ob dieser Märe.
Papa liest’s der Familie vor,
und alle lauschen und sind Ohr …
Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt
ein armer Kerl gelesen hat.
Er hob es auf aus einer Pfütze,
daß es ihm hinterm Zaune nütze.

Erich Kästner

Weihnachtslied, chemisch gereinigt>

(Nach der Melodie: „Morgen, Kinder, wird’s was geben!“)
Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genuegt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht so weit.
Doch ihr duerft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gaensebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.
Lauft ein bischen durch die Strassen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schuetteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch!
Tannengruen mit Osrambirnen –
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reisst die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht –
weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Von Amerika lernen…

Dezember 20, 2007

Die Bananenrepublik übernimmt einen weiteren Festtagsbrauch aus den VSA: Zu Weihnachten große Angst vor Terroristen schüren. Während man drüben die Alarmstufe zur Festzeit gerne mal von Orange auf Rot erhöht, veröffentlicht hüben das Inneneministerium eine Studie, die von „demokratie“feindlichen (das politische System der BRD als Demokratie zu bezeichnen wäre, als ob man Nordkorea als marktwirtschaftlich beschriebe) und gewaltbereiten Muslimen erzählt:

Zahlreiche in Deutschland lebende Muslime sind laut einer von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Auftrag gegebenen Studie zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit.

Das treffe auf jeden vierten jungen Islam-Gläubigen im Land zu, schreibt die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf die ihr vorliegende Erhebung. Die Religion hat demnach innerhalb der muslimischen Bevölkerung eine sehr große und bei jungen Leuten noch wachsende Bedeutung.

40 Prozent der Muslime ordne die Studie als fundamental orientiert ein, mit klaren religiösen Orientierungsmustern und Moralvorstellungen. Eine kleine Gruppe von sechs Prozent werde als „gewaltaffin“ eingestuft. Immerhin 14 Prozent der Befragten, von denen knapp 40 Prozent einen deutschen Pass hatten, stünden mit der Rechtsstaatlichkeit auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Demokratie, heißt es in dem Bericht.

Das klingt sehr nach „Sie wollen uns alle töten!“ und hat vermutlich auch den gleichen Effekt beim deutschen Sittenstrolch, doch was sagen diese Zahlen über die eventuelle Gewaltbereitschaft und antidemokratische Gesinnung, die durch den Islam angeblich ausgelöst wird, aus? Gar nichts, das „muslimisch“ kann man auch durch „aufrecht gehen“, oder „atmend“ ersetzen, denn die Befragten erfüllten auch diese beiden Eigenschaften. Um auf eine generelle Gewaltbereitschaft und Demokratiablehnung im Islam schließen zu können, muss man die Zahlen mit Ergebnissen über nichtmuslimische Menschen vergleichen. Das natürlich unter der Voraussetzung, dass diese Zahlen echt sind, und nicht durch Blick in eine Kristallkugel erstellt wurden. Und was stellt sich heraus?

Der Kultur- und Sozialanthropologe Werner Schiffauer sagte dem Blatt, die Hamburger Studie komme auch zu dem Schluss, dass demokratiefeindliche Einstellungen bei nicht-muslimischen Deutschen etwa ebenso häufig anzutreffen seien. Daher könne nicht gesagt werden, dass der Islam Demokratiefeindlichkeit stärker fördere.

Der gemeine Moslem ist auch nicht demokratiefeindlicher als der nichtmuslimische deutsche Durchschnittsdepp. Das Verhältnis zur Gewalt wird bei Nichtmoslems gar nicht erst ermittelt. Ordentlich heiße Luft und dazu ein paar nicht aussagekräftige Zahlen also, was uns das Innenministerium hier zu Weihnachten schenkt. Aber es erfüllt seinen Zweck und lässt den Angstpegel schön kräftig steigen.

Was genau wird eigentlich aus Kirchensteuern finanziert?

November 22, 2007

Der Anteil für soziale Zwecke beläuft sich auf maximal 15 Prozent. Allein zwei Drittel der Einnahmen werden für die Bezahlung von Pfarrern und Kirchenpersonal aufgewendet, Bischöfe- und Erzbischöfe werden sogar aus öffentlichen Steuermitteln bezahlt. Auch kirchliche Kindergärten, Schulen, Altenheime und Krankenhäuser werden zwischen 85 und 100 Prozent aus Steuermitteln bzw. Sozialbeiträgen finanziert. Dazu kommen Milliardensubventionen für Religionsunterricht, Militärseelsorge, die Priester- und Theologenausbildung und vieles mehr. Wohlgemerkt: Diese Kosten werden allen Steuerzahlern aufgebürdet, Christen, Andersgläubigen und Atheisten gleichermaßen. Diese Subventionierung der Kirchen ist allerdings leider ein politisches Tabuthema.

Die Trennung zwischen Kirche und Staat ist in diesem rückschrittlichen Land noch nicht vollzogen, was alle Deutsche zu Heuchlern erklärt, wenn sie andere Gottesstaaten kritisieren ohne auch eine Säkularität in Deutschland zu fordern. Doch lieber nicht zu viel denken, lieber keine Selbstkritik üben, denkt sich der deutsche Michel, sonst müsste man noch vor der eigenen Haustür kehren und das stört, wenn man sich über andere erheben will. Wer die Nase hoch hält, übersieht den Dreck unter den eigenen Füßen.

Dein Gewissen ist, was ich dir befehle!

Oktober 31, 2007

Dass Papa Ratzi nicht alle beisammen hat, ist nicht besonders schwer zu übersehen. Er beweist es ja auch immer wieder:

Der Papst hat Apotheker zur Dienstverweigerung aus Gewissensgründen bei Abtreibung oder Euthanasie aufgerufen. Es sei nicht möglich, „das Gewissen zu betäuben“, wenn es etwa um Medikationen gehe, die die Einnistung eines Embryos verhinderten oder ein Menschenleben beendeten, hatte Benedikt XVI. am Montag vor katholischen Apothekern, die in Rom an ihrem Weltkongress teilnahmen, erklärt.

Es gibt einen eklatanten Unterschied zwischen Euthanasie und Sterbehilfe, nämlich den, dass Sterbehilfe vollzogen wird, wenn ein Mensch selber schmerzfrei und möglichst würdevoll sterben möchte, aber nicht kann; und dass Euthanasie das Töten eines Menschen ist, weil jemand anders als der Getötete dessen Leben für lebensunwert betrachtet. Diesen Unterschied kennt Ratze, ignoriert ihn aber bewusst, um eine Verbindung zwischen Sterbehelfern und den Nationalsozilaisten zu schaffen, welche Euthanasie an Behinderten betrieben haben. Übrigens mit Kenntnis und Billigung der katholischen Kirche.

Auch dass „Wir Papst“ gegen die Abtreibungspille RU 486 und Verhütungsmittel wie die Pille danach sind, ist kei Wunder; freie Sexualität ist schließich, des Teufels; denn wie sollten sich sonst Pädophilie und andere sexuell bezogene Geisteskrankheiten entwicklen? Das ist alles von ihm gewollt, es sei denn, er ist bereits geistig so weggetreten, dass er gar nicht mehr merkt, was außerhalb des Vatikanevals vorgeht.

Dafür spricht jedenfalls, dass er meint, das Gewissen anderer Leute bestimmen zu können, entscheidet er doch ganz autokratisch, als der Gewissensdiktator, dass es gegen das Gewissen von Apothekern verstoße, diese Medikamente zu verkaufen. Auf die Idee, dass die Apotheker vielleicht ein eigenes Moralsystem hätten, das nicht zwangsläufig mit den verkalkten Moralvorstellungen des Pontifex‘ gekoppelt ist, kommt unser AIDSförderer wohl nicht. Für ihn gibt es religionsbedingt eben nur eine Moral, nämlich die, dass dem papst immer zu gehorchen sei, egal wie abstrus und schädlich seine Befehle auch sind. Die Vorstellung, dass er unfehlbar sei hat sich inzwischen verselsbtständigt und Ratze glaubt inzwischen an die eigenen Lügen, ganz wie die Figur O’Brien aus George Orwells Roman 1984.

Prinzipiell bin ich ja gegen Euthanasie, aber bei Ratze könnte man eine Ausnahme machen, er stellt nämlich in seinem Wahn eine Gefahr für sich und andere dar.

Die katholische Kirche zeigt mal wieder ihr wahres Gesicht

Oktober 25, 2007

Unter der bröckeligen Fassade des Vatikanevals schaut ein weiteres Mal deren braune Farbe hervor. Die gleiche Institution, die im dritten Reich mit den Nazis kollaborierte, will nun im spanischen Bürgerkrieg getötete Priester seligsprechen.

Am Sonntag werden 498 spanische „Märtyrer des 20. Jahrhunderts“ bei einer Zeremonie auf dem Petersplatz in Rom seliggesprochen. Sie alle sind Opfer „der größten Verfolgung von Gläubigen im vergangenen Jahrhundert“. Die Rede ist vom spanischen Bürgerkrieg. Doch die Seligsprechung, an der Papst Benedikt XVI und über 70 spanische Bischöfe teilnehmen werden, hat einen Schönheitsfehler: Alle Märtyrer unterstützten den Putschisten und späteren Diktator General Francisco Franco und wurden von linken Milizen umgebracht, die die verfassungsmäßige Ordnung der Zweiten Republik verteidigten. Priester, die den Faschisten zum Opfer fielen, stehen nicht auf der Liste der Seligen.

Den spanischen Bürgerkrieg, den letzten verzweifelten Versuch, die Einführung der Militärdiktatur in Spanien zu verhindern, als größte Verfolgung von Gläubigen zu bezeichnen, ist auch eine sehr deutliche Ansage, wessen Geistes Kind diese Pfaffen sind. Offenbar hat der katholische Klerus ein weiteres mal die erste Silbe von Heiligsprechung zu stark betont.

Da findet sich auch ein lesenwerter Artikel zu dem Thema.

Denken verboten

Oktober 15, 2007

Dass Christen, und gerade erzkonservative Vertreter dieser Sekte, keinen Spaß mit ihrer Religion verstehen, beweisen sie ja oft genug. Besonders die CSU bestätigt immer wieder gern durch Versuche, die Bestrafung von Gotteslästerern zu verschärfen, sämtliche Vorurteile über ihre Religion. Und es ist wieder so weit, und wieder haben sie keine neuen Argumente oder meinen gar einen Grund vorbringen zu müssen, um Gotteslästerung schärfer zu bestrafen.

Die Initiative, die der taz vorliegt, sieht vor, Paragraph 166 des Strafgesetzbuchs zu verschärfen, der die Beschimpfung von Bekenntnissen mit Geldstrafe oder Haft bis zu drei Jahren bedroht. Bayern will die Schwelle der Strafbarkeit absenken, um vor allem die Verspottung des christlichen Glaubens leichter bestrafen zu können.

Das wär eigentlich noch keine Erwähnung wert, doch haben sich die lebenden Fossilien noch eine Neuerung ausgedacht, um ihren Glauben vor Kritikern zu schützen:

Bayern will zwar am Rechtsgut des öffentlichen Friedens festhalten, aber im Gesetz klarstellen, dass dieser schneller gefährdet sein kann, als bisher von den Gerichten angenommen. So soll es reichen, dass ein Theaterstück oder eine Fernsehsendung das „Vertrauen der Betroffenen in die Achtung ihrer religiösen Überzeugung beeinträchtigen“ kann oder dass „bei Dritten die Bereitschaft zu Intoleranz gegenüber dem Bekenntnis“ gefördert werden könnte. Die Formulierung ist also denkbar weit.

Nach Definition in diesem Gesetzesentwurf ist es bereits strafbar, jemanden auf die Widersprüche der Bibel aufmerksam zu machen, oder die Evolutionstheorie zu erläutern. Ein bloßer Anstoß zum Denken müsste ebenso strafwürdig sein, denn über die Religion nachzudenken, oder gar die Wurzeln des Christentums zu erforschen, gibt einigen Aufschluss über deren Wahrheitsgehalt.

Zu viele Pädophile

September 25, 2007

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 39-jährigen Priester des Bistums Regensburg. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell missbraucht zu haben. Wegen einer solchen Straftat war der Geistliche bereits im Jahr 2000 rechtskräftig verurteilt worden. Trotzdem wurde der Mann vom Bistum Regensburg 2004 erneut in der Pfarrseelsorge eingesetzt, im Widerspruch zu den Leitlinien der Bischofskonferenz.

Es gibt zu viele Missbrauchsfälle um bloß an Zufall zu glauben; das ist religionsspezifisch. Ich behaupte es liegt an der völlig verkorksten christlichen Sexualmoral, schließlich missbrauchen buddhistische Priester keine kleinen Kinder.

Als einzige Lösungsmöglichkeit (außer natürlich diese notgeilen Volksvergifter allesamt aus dem Land zu jagen) fällt mir nur ein, keinen Pfaffen mehr in die Nähe von Kindern zu lassen. Es ist augenscheinlich so, dass Priester bedeutend gefährdeter sind, einen Kindesmissbrauch zu begehen und deshalb sind Kinder in ihrer Nähe besonders gefährdet, einen Kindesmissbrauch zu erleiden. Deswegen sollte jeder aufpassen, dass keiner der Gottesknechte sich mehr an ein Kind heranmachen kann. Eine Abschaffung des Ministrantendiensts wäre ein guter Anfang.

Der Papst interpretiert den Terrorismus

September 21, 2007

Einige terroristische Netzwerke beuteten «schamlos» den Vorwurf aus, die moderne Gesellschaft habe Gott vergessen, und versuchten damit ihre Bedrohung der globalen Sicherheit zu rechtfertigen. Angemessener Respekt für Religion helfe, diesem Vorwurf vom vergessenen Gott zu begegnen, sagte der Papst.

Komisch, mir fällt nur eine Organisation ein, die diese Begründung für ihren Unfug benutzt und bei der finde ich „Terrorismus“ nicht ganz passend, zumindest seit sie keine Inquisitionen mehr durchführt. Organisierte Kriminalität trifft doch eher zu.

Muslimische Partisanen greifen „den Westen“ nicht an, um dessen „Gottvergessenheit“ aufzuzeigen, sondern weil diverse westliche Staaten muslimische Länder besetzt halten, was im Dschihad rückgängig gemacht werden soll. Dieser Haltung begegnet man am besten, indem man sich nicht in einen Krieg gegen diese Leute stürzt, sondern ihn von vornherein vermeidet. Respekt vor Religion allgemein (oder im päpstlichen Sinne wahrscheinlich, vor dem Christentum allein) wird jedenfalls keinen Partisanen vom Widerstand abhalten.

Kulturkämpfer Stoiber

September 21, 2007

Der bayerische Problembär will den Muslimen klarmachen, wer aus seiner Sicht in diesem Staat die Herrenmenschen sind. Daher will er unbedingt sicher gestellt sehen, dass Moscheen keinesfalls größer werden, als Kathedralen. Begründen tut er dies mit der „in Jahrhunderten gewachsene Leitkultur in Deutschland“, die ja höchst christlich ist. Dass das Christentum in unseren Landen nicht entwickelt, sondern durch Einwanderer, genauer gesagt Missionare, ins Land getragen wurde, ist ihm dabei wohl entfallen, wenn er sich denn überhaupt mal Gedanken über dieses Thema gemacht hat.

Und allzu verteidigenswert finde ich die deutsche Leidkultur, die im Wesentlichen aus Gartenzwergen, Auto waschen, Fußball, Chauvinismus, irrationaler Angst, Führerdenken (man sagt einem im Zug auf welcher Seite man aussteigen soll), Schwarzgeldkonten, Jammern, ohne was verändern zu wollen und Konsumieren jedes Drecks, solang er nur aggressiv genug beworben wird, nicht. Das kann meinetwegen alles verschwinden, ich wäre sogar froh darüber. Manche Kulturkämpfer berufen sich ja auf klassische und verwandte Musik (Romantik, Barock, usw…), sowie werke aus alten Literarturepochen, doch ist dies kein Produkt der Gegenwart, sondern ein Relikt der Vergangenheit. Sollte es tatsächlich Betrebungen von Einwanderern geben, die altertümliche Kunst loszuwerden, was ich nicht glaube, müssten selbige schon eine Zeitmaschine besitzen. Auch dem Christentum weine ich keine Träne nach, und werde ganz bestimmt nicht auf die Straße gehen, wenn deutsche Kathedralen von doppelt so hohen Moscheen umgeben werden. Sollte unsere Gesellschaft von christlich zu muslimisch wechseln, tauschen wir halt die einen Pfaffen gegen irgendwelche anderen, damit gewinnt man nichts und verliert auch nichts. Die meisten Leute, die in eine Kirche gehen wissen ohnehin so gut wie nichts über die Religion, die sie finanzieren, da ist auch egal ob sie das Wort „Gott“ nun deutsch oder arabisch aussprechen.

Ach, es geht gar nicht um spießige Sitten und neue Namen derselben Sache? Sondern um die „Werte“ unserer Kultur? Die sind doch wirklich nichts wert. Mit Kadavergehorsam, Fremdenfeindlichkeit, Vorurteilen, Sozialdarwinismus, irrationaler Angst, rücksichtslosem, parasitärem Egoismus und Prüderie (denn dies ist das Fundament des menschlichen Miteinanders in unserer Gesellschaft) haben wir uns schon so oft selbst ein Bein gestellt, sind so oft aufs Gesicht gefallen, weil wir gedankenlos irgendwelchen „Werten“ gefolgt sind, anstatt das eigene Oberstübchen anzuwerfen und selbstverantwortlich zu handeln; stattdessen beruft der deutsche Michel sich auf einen Führer (sei es eine Person, ein Gesetz, ein Wert, eine fiktive Figur oder sonstwas), der die Entscheidung treffe, die Michel ja nur ausführe.

Wer nun einwenden mag, dass die Menschenrechte und die Demokratie schützenswert seien, der hat Recht, zumindest so lange nichts besseres in Sicht ist. Das hat aber nichts mit deutscher Leitkultur, Islam oder Christentum zu tun. Die Bedrohung für Menschenrechte und Demokratie sitzt im deutschen Parlament, nicht in der Moschee. Und dass sich die Idee der Menschenrechte und Demokratie gerade in unseren Breiten entwickelt hat beziehungsweise wiederentdeckt wurde, haben wir nicht dem Christentum zu verdanken, dass sich nur zu gern gegen eine neue Gesellschaft ausspricht und auch damals schon auf die „alten Werte“ setzte. Zwar gibt sich der Klerus gerne als Brutstätte sozialer Errungenschaften aus und verweist auf die Nächstenliebe, die die christliche Kirche erfunden haben will, doch das hat sie nicht. Nächstenliebe, Solidarität, das Schützen schwacher Mitglieder der Gemeinschaft, hat sich in fast allen Kulturen der Weltgeschichte entwickelt, daher auch bei uns. Die Kirche hat sich einfach nur als Urheberin dieser Ideen, die schon als Triebe im menschlichen Seelenleben verwurzelt sind, ausgegeben. Trittbrettfahren kann doch jede andere Religion auch.

Die Sonntagsfrage

September 12, 2007

Unter dem Motto «Gott sei Dank, es ist Sonntag» haben die christlichen Kirchen am Mittwoch eine Kampagne zum Schutz ihres Feiertages gestartet. Die bundesweite Initiative richtet sich vor allem gegen die Öffnung von Geschäften am Sonntag.
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Die Kampagne «Gott sei Dank, es ist Sonntag» ist eine gemeinsame Initiative der EKD und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Sie bietet interessierten Gemeinden und Einrichtungen Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit an, zum Beispiel Plakate für Schaukästen und Broschüren. Ergänzt wird das Angebot durch eine Internet-Seite mit Texten und Tipps zur Gestaltung des Sonntags – von der Teilnahme am Gottesdienst über den Zoo-Besuch bis hin zum Wellness-Tag.

Es überrascht niemanden, dass die Kirchen sich gegen eine frei Nutzung von angeblich ihrem heiligen Tag stellen. Den Denkbremsen, die den Klerus dieser bestenfalls schrulligen, schlimmstenfalls tödlichen Religion stellen, kommt es überhaupt nicht in den Sinn, dass es in Deutschland auch Leute gibt, die sich nicht ihrem Diktat unterworfen haben, und deswegen der Meinung sein könnten, dass sie ihren Sonntag so gestalten könnten, wie es ihnen gerade passt. Nein, wenn diese Leute schon nicht in die Kirche gehen, denken sich die Pfaffen, dann sollen sie wenigstens das tun, was wir für die vorsehen. Das befriedigt ihren Allmachtsanspruch über „ihre Schäfchen“ wenigstens teilweise. Es geht mir nicht darum, dass es keinen Ruhetag geben soll. Dieser ist notwendig, ansonsten kämen irgendwelche manchesteroiden Ausbeuter noch auf die Idee, ihre Angestellten könnten sieben Tage die Woche für sie arbeiten. Ein Ruhetag macht natürlich Sinn, doch sollte in einem Staat, der sich selbst als von der Kirche getrennt betrachtet, dieser Ruhetag nicht zwangsweise auf dem Sonntag liegen, oindern auch sosntwo liegen können. Gerade für Menschen, die der christlichen Religion nicht angehören, sollte der Sonntag einzig und allein ihre Sache sein. Und wenn diese Leute meinen, sie wollten am Sonntag einkaufen, dann sollten sie das auch dürfen. Jemandes Freizeitplanung aufgrund irgendwelcher Spinner einzuschränken ist jedenfalls nicht mit der Religionsfreiheit zu vereinbaren, was einmal mehr offenbart, wie gut es mit selbiger in unserem Staat bestellt ist.

Die Reconquista des Ronald Pofalla

September 9, 2007

Die religiöse Rechte nimmt in Deutschland anscheinend an Einfluß zu. Erst dieser Gesetzesentwurf, der Kritik an Religion erschweren soll, dann kommt Ronald Pofalla, der seinem eigenen Freud’schen Versprecher nach ein Nazi ist, mit seinem Plan, in allen Klassen Deutschlands Kruzifixe aufzuhängen.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla tritt dafür ein, in allen Schulen Kruzifixe anzubringen. «Als Partei, die das Christliche im Namen trägt, wollen wir, dass das Bekenntnis zum Christentum im öffentlichen Raum erhalten bleibt», sagte Pofalla der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Zum öffentlichen Raum gehörten sowohl Schulen als auch Gerichte oder Behörden.

Nur verkehren im öffentlichen Raum eben nicht nur Christen, sondern auch andere Menschen, die nicht unbedingt überall an das Bekenntnis irgendwelcher Ewiggestrigen zu ihrer blutigen Ideologie sehen wollen. Die FDP fordert schließlich auch nicht, in allen Schulen Dollarzeichen anzubringen. Und wie groß wäre wohl das Geschrei, wenn in alle Klassenzimmer Hammer und Sichel/Zirkel hängen sollten? Von einem Halbmond wollen wir lieber gar nicht erst sprechen. Vielleicht sollte man Pofalla mal verraten, dass nur knapp zwei Drittel der Deutschen, noch offiziell zu den Christen zählen, wovon noch nicht einmal alle gläubig sind. Oder weiß er das schon und ihm geht es einfach am Arsch vorbei? Wohl eher letzteres:

Pofalla betonte zugleich, dass auch die CDU eine steigende Zahl von Mitgliedern habe, die keiner der beiden großen Konfessionen in Deutschland angehören.

Religiös bedingte Zensur

September 8, 2007

Die religiöse Rechte zeigt sich heute einmal von der ganz schnellen Seite. Vier Jahre nach der Erstausstrahlung, bemerkt Ede Stoi(problem)ber, dass in der Serie Popetown der Papst verspottet wird. Naja gut, die Jahre gingen wohl für die „Ähhh…“s drauf, die dieser rhetorische Rohrkrepierer vor, nach und während jedes Satzes anfügt. Auf jeden Fall soll deswegen jetzt Gotteslästerung stärker bestraft werden.

Bayern strebt nach Medien-Berichten eine Verschärfung des sogenannten Gotteslästerungsparagrafen an. Justizministerin Beate Merk (CSU) habe einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorgelegt. Der Entwurf werde derzeit in der Landesregierung abgestimmt. Danach wolle Merk eine Bundesrats-Initiative zur Änderung des Paragrafen 166 Strafgesetzbuch auf den Weg bringen.

Wo man hinkommt, wenn man religiöse Interessen über die Interessen der Masse stellt, kann man an unschönen Kapiteln der europäischen Geschichte, sowie Regionen dieser Erde, die man als „steinzeitislamistisch“ bezeichnet, sehen. Menschen, die einen zum Himmel schreienden Unfug verbreiten, sollten immer und in jeder fundierten Form (ja auch und gerade durch Satire) kritisiert werden. Das trifft auf den Papst (auf den gegenwärtigen, wie auch auf die anderen) definitiv zu. Die Meinugsfreihgeit durch Zensur einzuschränken ist niemals eine Maßnahme, die sich irgendwie positiv auf die Betroffenen Bürger auswirkt. Diese Schnapsidee sollte gestoppt werden, bevor man sich daran gewöhnt, dass man nicht mehr alles sagen darf, sonst landen wir schlimmstenfalls Schritt für Schritt wieder im Faschismus. Bei diesem Gesetzentwurf kann man nun zeigen, ob man den Spruch „Kein Fußbreit den Faschisten!“ ernst nimmt oder das alles nur leeres Gerede ist. Und wir haben den Faschisten schon genug Schritte gestattet.

„Papst gedenkt Ermordung der Juden“

September 8, 2007

steht im Titel dieses Artikels. Natürlich gedenkt er nicht allen ermordeten Juden, sondern nur denjenigen, die im Zuge des Nationalsozialismus verblendeten Hohlköpfen, die in typisch deutschem Kadavergehorsam agierten, zum Opfer fielen. Die Morde durch Christen verschweigt er natürlich, aber das war ja zu erwarten. Auch nicht überraschen konnte er mit seiner „Erinnerung“ an die angeblich christlichen Wurzeln Europas.

«Europa kann und darf seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen. Sie sind ein Ferment unserer Zivilisation auf dem Weg ins Dritte Jahrtausend», sagte der Papst vor Bundespräsident Heinz Fischer und zahlreichen österreichischen Diplomaten

Welche christlichen Wurzeln denn? Das Christentum wurde durch Missionare nach Europa getragen. Vorher beherbergte dieser Kontinent, diverse Heidentümer und davor die verschiedenen Megalithkulturen, welche nichts mit dem Chrsitentum zu schaffen hatten.

Auch das Gefasel vom Christentum als Wurzel der Zivilisation ist dreist gelogen oder zumindest reiner Unfug. Unsere Zivilisation entstand erst wirklich durch die Aufklärung, der Stärkung von Wissenschaft und politischem Freiheitsgedanke auf Kosten der Religion, die sich beiden Ideen seit jeher in den Weg stellt. Die Menschenrechte, die Demokratie und die Technologie, die drei Stützsäulen des europäischen Hochmuts gegenüber „weniger zivilisierten“ Regionen, wären ohne, dass sich die Gesellschaft größtenteils von der christlichen Kirche losgesagt hatte, nie entstanden, beziehungsweise wiederentdeckt worden. Nicht umsonst nennt man die Zeit unseres Kontinents, in der die Kirche die größte Macht innehatte, das dunkle Mittelalter.

In Zeiten, in denen der Papst diesen geistigen Dünnschiss, der wahrscheinlich so manchen Dummschwätzer von der „christlichen/deutschen Leitkultur“ in seinem verkorksten Weltbild bestätigen wird, ablaichen kann, ohne sein Ansehen als moralische Autorität zu verlieren, ist dringend eine nochmalige Aufklärung von Nöten, bevor wieder Menschen auf Scheiterhaufen landen.

Sterben verboten

August 27, 2007

Die niedersächsische Landesbischöfin Margot Käßmann beobachtet, dass eine steigende Anzahl von älteren Menschen keine Lust mehr hat, in Pflegeheimen dahinzuvegetieren und daher ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Das ist für sie als Trägerin der autoritärsten Form von Ideologie natürlich viel zu freiwillig und sie rennt erstmal zur höheren Macht (Nein, nicht der, sie will ja, dass da tatsächlich was passiert).

Immer mehr Menschen würden älter und damit lebensmüder, sagte Käßmann. Wenn Sterbevereine da eine schnelle Lösung vorgaukelten, müsse der Staat einschreiten.

Offenbar kann sich die Bischöfin nicht vorstellen, dass das würdelose Leben, das viele Rentner in der BRD führen, jede Lebenslust einfach abtötet, und sieht daher nur das Alter der Betroffenen als Grund für ihren Todeswunsch, frei nach dem Motto: „Genug ist genug.“

Anstatt aber den Lebensunmut der Rentner zu mindern, indem sie sich für bessere Lebensbedingungen oder meinetwegen auch eine höhere Rente einsetzt, fordert sie jedoch typisch deutsch, einfach die Dignitas zu verbieten, denn das geht ja nicht, dass Leute einfach so selbst entscheiden, wann sie sterben, dann herrscht ja Chaos und Anarchie.