Verbietet Chemieunterricht

Mit bis zu drei Jahren Gefängnis solle zudem künftig bestraft werden, wer Anleitungen zum Bombenbau ins Internet stellt oder solche Erläuterungen aus dem Internet herunterlädt.

Anleitungen zum Bombenbau? Also so was wie „Nimm Sprengstoff und tu‘ da Lunte oder Zünder rein“? So baut man nämlich eine Bombe. Oder meinte unsere Justizministerin, die für diesen Schwachsinn verantwortlich ist, Anleitungen zur Sprengstoffsynthese? Das wäre ähnlich schwachsinnig. Schon der herkömmliche Chemieunterricht eines Gymnasiums versorgt die Schüler mit Kenntnissen über Thermit, Napalm und Schießpulver, einschließlich deren Synthese. Manchmal ist auch Pikrinsäure und ähnliches drin. Sollte nun auch der Chemieunterricht verboten werden? In Bibliotheken findet man ja auch diverse Bücher, die sich mit dem Thema befassen, die sollten dann auch verboten werden. Und was man alles bei einem Chemiestudium lernt…

Ach so, ist das, Frau Unrechtsministerin, es geht gar nicht darum, Menschen vom pöhsen, pöhsen Wissen der Sprengstoffgewinnung abzuhalten, sondern nur darum, dass das Internet schön sauber bleibt, der Ästhetik wegen? Das sind schlechte Nachrichten für einige Chemielehrer, da in Zeiten des Internets das in einem Leistungskurs beispielsweise sehr umfangreiche Textmaterial von umweltbewussten Lehrern ins Netz gestellt wird. Dadurch machen sie sich dann aber strafbar.

Oder sollte es etwa so sein, dass die Zypries durch dieses Gesetz verhindern will, dass sich irgendwe über die tatsächliche Gefährlichkeit der angeblichen Bomben von „Kofferbombern“ und „Bleichmittelbombern“ informiert, welche ja eher in den Bereich eines Sacks Mehl tendiert. Es erhöht die Glaubwürdigkeit der staatlichen False-Flag-Aktionen natürlich ungemein, wenn nicht nach jedem „Anschlag“ ein paar Leute einfach Google anwerfen und nachweisen, dass die betreffenden „Bomben“ nicht explodieren konnten, weil sie schlicht und einfach keinen Sprengstoff enthielten.

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8 Antworten to “Verbietet Chemieunterricht”

  1. Harry Schwiebert Says:

    Demnächst macht mein Vater sich strafbar, wenn er meiner Tochter über sein Leben erzählt.
    Zumindest per Internet ist das wohl schon nur eingeschränkt erlaubt.

  2. Sven Says:

    Auch Mehl kann ordentlich „rumms“ machen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mehlstaubexplosion

  3. kurokasai Says:

    „Ordentlich“ rummst das aber nicht, zumindest nicht, wenn man sich terroristischen betätigen will (und in dem Kontext soll das Gesetz ja wirken). Tatsächlich ist es so (wie man auch am Bild im Artikel sieht), dass man solch einer Explosion einen Meter neben dem Stoff stehen kann und sich nichts tut.

    @Harry: Wenn man nur ausreichend verbietet, dann erhält man auch irgendwann die angestrebte Verdächtigtenzahl von 80 Millionen. 😉

  4. superguppi Says:

    Gefahren durch solche Mehlstaubexplosionen:
    14 Tote, 17 Verletzte und ein Sachschaden von über 100 Millionen Mark – das ist die Bilanz
    der größten Mehlstaubexplosion in der Geschichte der Bundesrepublik. Am 6. Februar
    1979 löste ein kleines Feuer in der Bremer Rolandmühle die Katastrophe aus. In einer
    Kettenreaktion wirbelte jede Einzelexplosion wieder neuen Mehlstaub auf, der wiederum
    explodieren konnte. Ein ähnliches Unglück ereignete sich am 20. August 1997 im
    französischen Blaye.

    http://www.wdr.de/tv/quarks/global/pdf/Quarks_Explosion_cwdr2003.pdf

  5. Shinobi No. 5 Says:

    Nur handelte es sich hier wohl kaum um EINEN SACK Mehl. Außerdem wird Mehl selbst nur gefährlich, wenn es genug Sauerstoff bekommt, um sprunghaft exotherm zu reagieren. Das trifft aber gut auf alle fein verteilten, brennbaren Stoffe zu. Mit feiner Holzspähne funktioniert’s genauso. Wenn man ein wenig Ahnung hat, kann man mit vielerlei Stoffen Explosionen auslösen. Die Frage, die sich in dem Kontext stellt, ist vielleicht eher, in wie weit dies für Anschläge praktikabel ist. Ich wage zu bezweifeln, dass da ein Sack Mehl so sinnreich wäre… ^^ Aber im Endeffekt habt ihr wohl Recht, aus einem Sack Mehl allein lässt sich an Luftsauerstoff mehr Explosionswirkung erzielen als aus Wasserstoffperoxid… denn weiter oxidieren lässt sich das nun wirklich nicht!

  6. kurokasai Says:

    Der Sack Mehl bezog sich vor allem auf die „Kofferbombe“, deren Inhalt wie der Mehl fein verteilt recht spektatkulär anzuschauen deflagriert wäre. H2O2 ist noch bedeutend harmloser.

    Das vom superguppi erwähnte Beispiel zeigt auf, wie harmlos Mehl ist, oder eher, wie wenig sich dieser als Sprengstiff eignet, denn ähnliche Mengen von TNT beispielsweise hätten wohl bedeutend mehr Schaden angerichtet. Es ist also keinem Terroristen zuzumuten, einen Anschlag mit Mehl zu begehen, eine solche Menge, wie im verlinkten Beispiel wäre wogl auch schwer an den Anschlagsort zu schaffen.

  7. NucDenhemm Says:

    Bei sowas muss ich grundsätzlich grinsen, da mir als Landei von älteren Freunden beigebracht wurde wie Diesel und Düngemittel einen herrlichen Sprengstoff ergeben. Und ich hab meine Erfahrungen auch weitergereicht. Und nun kommt die entscheidene Frage: Wie will unser Polizeistaat das eindämmen? Jede gute Tradition wird doch von einer Generation an die nächste weitergegeben.

    Nuc

  8. kurokasai Says:

    Naja, Sprengstoff… Molotowcocktail/Brandsatz trifft es eher, denn sprengen kannst du damit ja nix.

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